Kaiserschnittraten in Deutschland

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Deutschlandweit wurden im Jahr 2010 31,9 % aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Die Kaiserschnittrate zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten variiert dabei zwischen 17 % und 51 % - also um das Dreifache. Die Daten beziehen sich auf den Wohnortkreis der Mütter und sind direkt standardisiert an den Lebendgeborenen nach den Altersgruppen der Mütter im Jahr 2010.

Die Kreise mit einer sehr hohen Kaiserschnittrate liegen überwiegend in Bayern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Die Kreise mit den niedrigsten Kaiserschnittraten liegen fast ausschließlich in den neuen Bundesländern. 

Durch die Standardisierung werden regionale Unterschiede in der Altersstruktur der Mütter bei der Geburt, die die Kaiserschnittrate ggf. beeinflussen können, rechnerisch ausgeglichen. Vergleiche auf Basis der standardisierten Kaiserschnittrate sind damit um den verzerrenden Einfluss unterschiedlicher Altersstrukturen bereinigt. 

Eine Untersuchung der kreisbezogenen Kaiserschnittraten in den Jahren 2007-2010 hat zudem gezeigt, dass die hier aufgezeigten regionalen Unterschiede über die Zeit stabil sind.

Die Betrachtung regionaler Unterschiede auf Kreisebene lässt eine genaue Analyse möglicher Einflussfaktoren zu. Es zeigt sich, dass die Altersstruktur der Mütter, soziodemographische Faktoren oder der Versichertenstatus der Frau ebenso wie eine unterschiedliche Verteilung von Frühgeburten oder mütterlichen Erkrankungen keinen relevanten Einfluss haben.

Stattdessen ist der wichtigste Einflussfaktor ein unterschiedliches Vorgehen bei sogenannten „relativen Indikationen“. Relative Indikationen (z. B. eine Beckenendlage, eine vorangegangene Kaiserschnittgeburt) begründen 90 % aller Kaiserschnittgeburten. Sie führen nicht zwingend zur Entscheidung für einen Kaiserschnitt, sondern erfordern bei der Wahl des Geburtsweges eine sorgfältige Bewertung der Risiken für Mutter und Kind. Bei einer relativen Indikation besteht also Entscheidungsspielraum, ob eine natürliche Geburt erfolgt oder ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Diese Risikobewertung variiert und verursacht regional unterschiedliche Kaiserschnittraten.

Von besonderer Bedeutung für die regionalen Unterschiede bei den Kaiserschnittraten sind dabei die Re-Sectiones, also Kaiserschnitte als Folge einer vorangegangenen Kaiserschnittentbindung und Aspekte der Klinikorganisation. Weitere Informationen zu Ursachen und Hintergründen finden Sie in den Fachinformationen.

Ursachen und Hintergründe

Das Ergebnis dieses Faktenchecks verweist einmal mehr darauf, dass für die Begleitung von Geburten mit höheren Risiken (z. B. Zwillingsschwangerschaften, Beckenendlagen) dringend Leitlinien entwickelt werden müssen, die Geburtshelfern auch in forensischer Perspektive Sicherheit geben. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, wenn Geburtskliniken sich für spezifische Konstellationen spezialisieren und Frauen ein evidenzbasiertes Beratungsangebot offerieren würden. Eine Aus- und Fortbildung, die dem Trend in der Versorgungsrealität hin zu mehr Kaiserschnitten entgegensteuert, und eine Stabilisierung der Rolle der Hebammen in der Geburtsbegleitung könnten weitere Maßnahmen sein.

Ausführliche Handlungsempfehlungen der Experten finden Sie in den Fachinformationen.

Handlungsempfehlungen


Quelle: Faktencheck „Kaiserschnittgeburten in Deutschland – Entwicklung und regionale Verteilung“
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2012
Verantwortlich: Andrea Engelhardt, Kerstin Blum, Dr. Jan Böcken, Bertelsmann Stiftung
Autoren: Prof. Dr. Petra Kolip (Universität Bielefeld),Hans-Dieter Nolting (IGES Institut Berlin), Karsten Zich (IGES Institut Berlin)
Reviewer: Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl (Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kassel), Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen (Charité Universitätsmedizin Berlin/Qatar Foundation, Doha), Prof. Dr. Rainhild Schäfers (Hochschule für Gesundheit, Bochum), Dr. med. Doris Tormann (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Bielefeld

Informationen zu den verwendeten Daten, Vorgehen und Methodik unter: www.faktencheck-kaiserschnitt.de/fachinformationen

Kontakt
Faktencheck Gesundheit l Bertelsmann Stiftung
Heike Kusch, Sekretariat
Carl-Bertelsmann-Straße 256 l 33311 Gütersloh
Telefon +49 5241 81-81139
heike.kusch@remove-this.bertelsmann-stiftung.de

Weitere Informationen unter www.faktencheck-kaiserschnitt.de

Hinweise auf verwandte Inhalte

Die obige Karte illustriert für das Jahr 2010, dass die Abweichungen der Kaiserschnittrate der einzelnen Kreise vom Bundesdurchschnitt noch stärker ausfallen, wenn man die Betrachtung ausschließlich auf jene beiden DRGs bezieht, die eindeutig auf die Durchführung primärer Kaiserschnittentbindungen verweisen. 

Primäre Kaiserschnitte machen jeweils etwa die Hälfte der Kaiserschnitte insgesamt aus, beim Rest handelt es sich um sekundäre Kaiserschnitte, die als Folge einer krisenhaften Entwicklung der Geburt durchgeführt werden.

Deutschlandweit wurden im Jahr 2010 13,9 % aller Kinder per geplantem Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Die Rate der geplanten Kaiserschnitte zwischen den Kreisen und kreisfreien Städten variiert dabei zwischen rund 6 % und 32,5 % - also um das 4-fache.

 

Die besonders starken Unterschiede zwischen den Kreisen bei den geplanten Kaiserschnitten verdeutlichen, dass unterschiedliches Vorgehen der Geburtshelfer bei Entscheidungsspielraum ein wichtiger Erklärungsansatz für die regionalen Unterschiede in den Kaiserschnittraten ist. 

Zwar ist ein Teil der primären Kaiserschnitte zwingend erforderlich, weil es sich um vorgeburtlich erkennbare gravierende Risikosituationen handelt, bei denen eine natürliche Geburt nicht in Betracht gezogen werden kann. Bei einem großen Teil begründet sich der geplante Kaiserschnitt jedoch durch eine relative Indikation. In diesen Fällen muss bei der Wahl des Geburtsweges eine sorgfältige Bewertung der Risiken für Mutter und Kind vorgenommen werden – ein Kaiserschnitt ist nicht immer zwingend erforderlich. 

Weitere Informationen zu Ursachen und Hintergründen finden Sie in den Fachinformationen.

Ursachen und Hintergründe

Das Ergebnis dieses Faktenchecks verweist einmal mehr darauf, dass für die Begleitung von Risikogeburten (z. B. Zwillingsschwangerschaften, Beckenendlagen, Zustand nach Sectio) dringend Leitlinien entwickelt werden müssen, die Geburtshelfern auch in forensischer Perspektive Sicherheit geben. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, wenn Geburtskliniken sich für spezifische Konstellationen spezialisieren und Frauen ein evidenzbasiertes Beratungsangebot offerieren würden. Eine Aus- und Fortbildung, die dem Trend in der Versorgungsrealität hin zu mehr Kaiserschnitten entgegensteuert, und eine Stabilisierung der Rolle der Hebammen in der Geburtsbegleitung könnten weitere Maßnahmen sein.

Ausführliche Handlungsempfehlungen der Experten finden Sie in den Fachinformationen.

Handlungsempfehlungen

Quelle: Faktencheck „Kaiserschnittgeburten in Deutschland – Entwicklung und regionale Verteilung“
Erscheinungsdatum: 15. Februar 2012
Verantwortlich: Andrea Engelhardt, Kerstin Blum, Dr. Jan Böcken, Bertelsmann Stiftung
Autoren: Prof. Dr. Petra Kolip (Universität Bielefeld),Hans-Dieter Nolting (IGES Institut Berlin), Karsten Zich (IGES Institut Berlin)
Reviewer: Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl (Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Kassel), Prof. Dr. med. Joachim W. Dudenhausen (Charité Universitätsmedizin Berlin/Qatar Foundation, Doha), Prof. Dr. Rainhild Schäfers (Hochschule für Gesundheit, Bochum), Dr. med. Doris Tormann (Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Bielefeld

Informationen zu den verwendeten Daten, Vorgehen und Methodik unter: www.faktencheck-kaiserschnitt.de/fachinformationen

Kontakt
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Heike Kusch, Sekretariat
Carl-Bertelsmann-Straße 256 l 33311 Gütersloh
Telefon +49 5241 81-81139
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