Natürliche Geburt oder OP? Situationen, die eine Kaiserschnitt notwendig machen können

Kaiserschnitt notwendig
Querlage

Querlage

Die Querlage ist eine ungünstige Lage des Kindes und kommt sehr selten vor. Der Körper des Kindes liegt vor der Geburt quer zur Längsachse des mütterlichen Körpers. Dies macht eine natürliche Geburt unmöglich. Wenn eine Wendung des Kindes durch Handgriffe von außen nicht gelingt, ist ein geplanter Kaiserschnitt, vor Einsetzen der Wehentätigkeit unumgänglich. Die Querlage tritt bei 0,3 bis 0,6 Prozent der Geburten auf und ist bei rund 1,4 Prozent aller Kaiserschnitte der dokumentierte Anlass.
Eklampsie/HELLP-Syndrom

Eklampsie/HELLP-Syndrom

Eine Eklampsie kann aus einer Präeklampsie entstehen. Früher wurden bereits die Anfangsstadien der Präeklampsie  auch als Schwangerschaftsvergiftung oder  EPH-Gestose bezeichnet. Heute findet man eher die allgemeine  Abkürzungen HES oder SIH

  • HES steht für jegliche Formen einer  hypertensiven Erkrankung in der Schwangerschaft - eine Erkrankung, die mit einem hohen Blutdruck in Verbindung steht. 
  • SIH bezeichnet die schwangerschaftsinduzierte Hypertonie und meint im Prinzip das Gleiche. 
Eine hypertensive Erkrankung geht oft mit den charakteristischen Symptomen: Ödeme (Wasseransammlungen) und  Eiweiß im Urin (Proteinurie) einher, wodurch ein hoher Bluthochdruck (Hypertonie) begünstigt wird. Folgen dieses hohen Blutdrucks  sind dann Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Eine hypertensive Erkrankung muss behandelt werden, sonst kann sie sich zur lebensbedrohlichen Ek-lampsie zuspitzen. 
Das HELLP-Syndrom ist eine Schwangerschaftserkrankung, die zu den sogenannten Spätgestosen zählt. HELLP steht für Hämolyse (Blutabbau), Elevated Liver Enzymes (erhöhte Leberenzyme), Low Platelets (geringe Anzahl an Blutplättchen für die Blutgerinnung). Kennzeichen sind ein Ansteigen der Leberwerte, extreme Blutarmut und eine deutliche Verschlechterung der Blutgerinnungswerte. HES-Symptome können der Erkrankung vorangehen, sie kann aber auch plötzlich auftreten. Zu den Symptomen gehö-ren neben Übelkeit, unerträgliches Hautjucken und/oder meist plötzlich auftretende, teilweise heftige Oberbauchschmerzen. Wird das HELLP-Syndrom nicht erkannt und behandelt, kann es für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden. Nach der Diagnose ist meistens ein sofortiger Kaiserschnitt notwendig. Bei gut 3 Prozent aller Kaiserschnitte wird eine Gestose oder Eklampsie, bei rund 1 Prozent ein HELLP-Syndrom als Ursache angegeben.
Infektion der Eihöhle

Infektion der Eihöhle

Das Amnioninfektionssyndrom (AIS) ist eine bakterielle Infektion der Gebärmutter, der Eihäute und häufig auch des Kindes. Typische Symptome sind Fieber über 38 Grad, erhöhte Entzündungsparameter, Herzrasen bei der Mutter oder auch beim Kind, starker Druckschmerz der Gebärmutter, übelriechendes Fruchtwasser und zunehmende Wehen. Es handelt sich um ein schweres Krankheitsbild, das eine sofortige intravenöse Antibiotika-Therapie erfordert. In seiner vollen Ausprägung besteht vor allem für das Kind Lebensgefahr, sodass in der Regel ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Bei fast 2 Prozent aller Kaiserschnitte ist eine Infektion der Eihöhle bzw. ein Verdacht darauf als Indikation dokumentiert.
Vorzeitige Plazenta-Ablösung

Vorzeitige Plazenta-Ablösung

Wenn sich der Mutterkuchen (Plazenta) zum Ende der Schwangerschaft oder in der Eröffnungsphase der Geburt von der Gebärmutterwand ablöst, wird das Kind nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Dies kommt sehr selten vor. Eine vorzeitige Ablösung kann sich durch plötzlich auftretende Schmerzen und meist auch periodenartigen Blutungen, Angstgefühl, Schwindel und Atemnot bemerkbar machen. Neben einer mangelnden Sauerstoffversorgung des Kindes kann sie einen für die Mutter lebensbedrohlichen Blutverlust zur Folge haben. Ein sofortiger Kaiserschnitt ist erforderlich. Bei rund 1,5 Prozent aller Kaiserschnitte ist eine vorzeitige Plazenta-Ablösung der Grund.
Gebärmutter-Riss

Gebärmutter-Riss

Infolge zu heftiger und häufiger Wehen („Wehensturm“) oder, in sehr seltenen Fällen nach vorherigen Operationen an der Gebärmutter, wie zum Beispiel einem Kaiserschnitt, kann die Gebärmutterwand aufreißen. Dies ist eine akut lebensbedrohliche Situation, die in der Regel einen sofortigen Kaiserschnitt erfordert. Bei knapp 1 Prozent aller Kaiserschnitte wird ein drohender oder erfolgter Gebärmutter-Riss als Grund angegeben.
Fehllage der Plazenta

Fehllage der Plazenta

Bei einer Fehllage befindet sich der Mutterkuchen (Plazenta) im unteren Bereich der Gebärmutter und verdeckt den Muttermund teilweise oder vollständig. Festgestellt wird dies meist bei einer Ultraschall-Routineuntersuchung. Schmerzlose Blutungen während der letzten Schwangerschaftsmonate können darauf hinweisen; häufig gibt es aber auch gar keine Symptome. Wird eine Fehllage der Plazenta zu Beginn der Schwangerschaft festgestellt, besteht noch kein Grund zur Beunruhigung, da sich mit dem Wachstum des Kindes die Plazenta meist noch verschiebt. Ist der Muttermund allerdings zum Geburtszeitpunkt durch die Plazenta blockiert, ist ein Kaiserschnitt unumgänglich. Bei rund 1 Prozent aller Kaiserschnitte wird dies als Grund angegeben.
Wenn die Plazenta nur teilweise vor dem Muttermund liegt, kann unter Kaiserschnitt Bereitschaft eine normale Geburt probiert werden, oft drückt das Köpfchen den Mutterkuchen zur Seite.
Sauerstoffunterversorgung

Sauerstoffunterversorgung

Wenn bei der CTG-Ableitung (CTG = Herzton-Wehenschreiber) der Verdacht besteht, dass das Kind während der Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff durch die Nabelschnur versorgt wird, besteht die Gefahr einer fetalen Azidose (Sauerstoffunterversorgung). Dazu kann es zum Beispiel bei einer Ablösung der Plazenta, Nabelschnurumschlingen um Hals oder Körper des Kindes, oder bei zunehmendem Stress für das Kind während einer langen Geburt kommen. Um zu klären, ob eine Stress-Situation zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung des Kindes führt, kann in Kliniken eine sogenannte Mikroblutuntersuchung (MBU) durchgeführt werden. Dafür wird ein Tropfen Blut vom Kopf des Kindes abgenommen. Daraus wird der pH-Wert bestimmt, der Aufschluss über die Sauerstoffversorgung des Kindes gibt. Bei deutlich abfallendem pH-Wert muss die Geburt rasch beendet werden. Sehr häufig erfolgt diese durch einen Kaiserschnitt, um eine Schädigung des Kindes zu vermeiden. Eine Azidose wird bei knapp 0,5 Prozent aller Kaiserschnittgeburten als Grund angegeben.
Nabelschnurvorfall

Nabelschnurvorfall

Nabelschnurkomplikationen können die Versorgung des Kindes behindern. Eine solche Komplikation ist zum Beispiel ein Nabelschnurvorfall, wenn das Köpfchen des Kindes zu Beginn der Geburt noch nicht fest im Becken sitzt und die Nabelschnur nach einem Blasensprung davor oder daneben rutscht. Die Nabelschnur kann dann zwischen Beckenwand und Kopf des Kindes abgeklemmt werden, sodass eine plötzliche Sauerstoff-Unterversorgung eintreten kann. Dann ist ein umgehender Kaiserschnitt erforderlich. Bei 0,2 Prozent aller Kaiserschnitte ist ein Nabelschnurvorfall der Anlass.
Natürliche Geburt möglich
Beckenendlage

Beckenendlage

Die meisten Kinder drehen sich ab der 28. Schwangerschaftswoche so, dass das Köpfchen in Richtung Geburtsweg weist. Dies macht die Geburt einfacher, da der Kopf den Geburtskanal weitet. In 3 bis 5 Prozent aller Fälle dreht sich das Kind jedoch nicht und bleibt in Beckenendlage (Steißlage). Derzeit werden rund neun von zehn Kindern in Beckenendlage per Kaiserschnitt geboren.

Der Geburtsverlauf bei einer Vaginalgeburt ist für ein Kind in Beckenendlage etwas anstrengender als bei einer Schädellage und mit erhöhten Risiken verbunden. So können beispielsweise Wehenschwäche der Mutter oder kurzzeitige Mangelversorgung mit Sauerstoff beim Kind auftreten. Ein Missverhältnis zwischen kindlichem Kopf und mütterlichem Becken kann dazu führen, dass sich der nachfolgende Kopf nicht passgerecht in den Geburtskanal hineindreht. Um dieses Risiko einschätzen zu können, wird vor der Geburt ein Ultraschall gemacht. Vor- und Nachteile einer normalen Geburt bei Beckenendlage sollten ausreichend lange vor dem Geburtstermin zwischen der schwangeren Frau und den Geburtshelfern und -helferinnen besprochen werden

Was kann ich tun?

Eine Beckenendlage muss nicht immer zwingend zu einem Kaiserschnitt führen.

  • Im Fall einer ansonsten gut verlaufenden Schwangerschaft besteht die Möglichkeit eine sogenannte äußere Wendung zu machen. Wenn der Bauch ganz weich und entspannt ist, kann eine erfahrene Frauenärztin bzw. ein erfahrener Frauenarzt in der Klinik versuchen, das Kind durch kräftigen, gezielten Druck auf die Bauchdecke zu drehen. Dafür gibt es mehrere bewährte Verfahren. Die äußere Wendung hat eine Erfolgsquote von circa 60 Prozent. Erfahrene Frauenärztinnen und Frauenärzte raten an, den Wendungsversuch nicht vor der 35. Schwangerschaftswoche durchzuführen. Auch sollte der Versuch nicht zu spät beispielsweise erst am errechneten Entbindungstermin erfolgen. Suchen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrer Ärztin bzw. Arzt einen hierin erfahrenen Geburtshelfer. Fragen Sie konkret nach Vorteilen und möglichen Risiken. Eine äußere Wendung wird immer im Krankenhaus durchgeführt.
  • Wendet sich das Kind nicht, kann unter bestimmten Gegebenheiten, das Kind mit Hilfe sehr erfahrener Geburtshelfer auf natürlichem Wege zur Welt gebracht werden. Dabei ist es wichtig, dass die Schwangere auf den Verlauf der Geburt vorbereitet und die Geburtsklinik darauf eingestellt ist. Erkundigen Sie sich nach Geburtskliniken, die sich auf vaginale Beckenendlagengeburten spezialisiert haben und vereinbaren dort einen Termin zur Geburtsplanung, wo nach Feststellung der Größe des Kindes und der Beckenverhältnisse zusammen überlegt werden kann, welcher Entbindungsmodus für Sie und Ihr Kind am besten ist.
Hohes Gewicht des Kindes

Hohes Gewicht des Kindes

Ein hohes Geburtsgewicht wird als Indikation für einen Kaiserschnitt gesehen, da ein schweres und großes Kind mehr Mühe hat, den Geburtskanal zu passieren und dabei Geburtsverletzungen erleiden kann. Die Schätzung des erwarteten Geburtsgewichtes erfolgt durch die Messung von Körperteilen des Kindes in der Spätschwangerschaft mit Hilfe des Ultraschalls.

Im Jahr 2010 kamen rund 9 Prozent aller Neugeborenen mit einem Geburtsgewicht von über 4.000 Gramm, 1,2 Prozent sogar mit über 4.500 Gramm zur Welt. Insbesondere stark übergewichtige Frauen und Frauen mit einer nicht erkannten oder schlecht eingestellten Schwangerschaftsdiabetes haben ein erhöhtes Risiko, ein schweres Kind zu gebären.

Was kann ich tun?

  • Der Ausgleich von Gewichtsproblemen im Vorfeld einer Schwangerschaft und gesunde Ernährung und Bewegung während der Schwangerschaft reduzieren das Risiko für ein hohes Geburtsgewicht.
  • Ein erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu verschiedenen Komplikationen führen: Mitunter werden die Kinder größer und schwerer. Daher sind das Erkennen und die gute Einstellung eines Schwangerschaftsdiabetes besonders wichtig. Seit März 2012 wird allen Schwangeren zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche eine Untersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes (Zuckertest) angeboten. Das Screening wurde als Kassenleistung in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen.
  • Liegt bei Ihnen ein Verdacht auf ein hohes Gewicht Ihres Kindes vor, beraten Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt die Vor- und Nachteile der verschiedenen Möglichkeiten. Erkundigen Sie sich nach Geburtskliniken mit Geburtshelfern, die über entsprechende Erfahrungen verfügen oder sich auf besondere Geburtssituationen spezialisiert haben.

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Missverhältnis Kindsgröße zu Becken

Missverhältnis Kindsgröße zu Becken

Bei den Vorsorgeuntersuchungen wird festgestellt, dass das Kind möglicherweise nicht oder nur schwer durch das mütterliche Becken passen könnte. Dafür kann es verschiedene Gründe geben:

  • Das Kind ist besonders schwer und groß (siehe „Hohes Gewicht des Kindes“).
  • Das Kind hat einen besonders großen Kopf.
  • Das Becken der Mutter ist verengt.

Diese Situation kann eine Indikation für einen Kaiserschnitt darstellen.

Was kann ich tun?

Eine genaue Vorhersage, ob das Kind wirklich nicht durch das Becken passt, ist meist vor Einsetzen der Wehen nicht eindeutig möglich. Denn auch die Dynamik unter der Geburt spielt hierbei eine Rolle. So passt sich die Form des kindlichen Köpfchens an den Geburtsweg an. Der Schädelknochen des Kindes ist noch weich und flexibel. Zudem werden die Knorpelverbindungen im mütterlichen Becken durch den Einfluss von Schwangerschaftshormonen weicher, so dass sich auch das Becken anpassen kann. Hinzu kommt, dass sowohl die Ultraschalluntersuchungen als auch das Abtasten des Bauches keine exakte Vorhersage des kindlichen Gewichts ermöglichen.

  • Fragen Sie bei einem vermuteten (relativen) Missverhältnis zwischen Kindsgröße und mütterlichem Becken, wie Ihre Ärztin / Ihr Arzt bzw. die Hebamme Befund und Risiken in Ihrem Fall individuell beurteilen und ob es möglich ist, den spontanen Wehenbeginn abzuwarten.

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  • Sprechen Sie hierüber mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und Ihrer Hebamme
Mehrlingsgeburt

Mehrlingsgeburt

Im Jahr 2011 waren 3,6 Prozent aller Geburten Mehrlingsgeburten. Drei von vier Zwillings- oder Mehrlingsgeburten erfolgten per Kaiserschnitt. Die Hälfte dieser Kaiserschnitte sind geplante Eingriffe. In diesen Fällen wird also frühzeitig die Entscheidung für einen Kaiserschnitt getroffen.

Was kann ich tun?

Eine Mehrlingsschwangerschaft und -geburt ist mit höheren Risiken verbunden. Es wird zu einer Klinikgeburt geraten, damit schnell eingegriffen werden kann, falls es zu Komplikationen kommt. Mehrlinge kommen meist vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt. Die mittlere Schwangerschaftsdauer beträgt bei Zwillingen im Schnitt 37 Wochen, bei Drillingen oft noch deutlich weniger. Häufig haben sie auch ein geringeres Geburtsgewicht. Es ist daher günstig, wenn der ausgewählten Geburtsklinik ein Perinatal- oder neonatologisches Zentrum für Frühgeborene angeschlossen ist.

Zwillinge können, wenn der erste Zwilling sich in einer günstigen Ausgangsposition befindet und ein komplikationsloser Schwangerschaftsverlauf voranging, auf natürlichem Wege geboren werden.

  • Erkundigen Sie sich bei Ihrer Geburtsklinik, ob sie vaginale Zwillingsgeburten vornimmt und Erfahrung darin hat (z. B. wie viele Zwillingsentbindungen im Jahr in der Klinik vorkommen und wie viele Frauen davon natürlich entbunden haben). Bei Drillingen und mehr Babys wird allerdings zu einem Kaiserschnitt geraten. Fragen Sie zudem nach der bestehenden Versorgungsstufe der Früh- und Neugeborenenbetreuung.

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Vorheriger Kaiserschnitt

Vorheriger Kaiserschnitt

Wenn das erste Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht wurde, kommt in drei von vier Fällen das zweite Kind ebenfalls so zur Welt. Einmal Kaiserschnitt, immer Kaiserschnitt – der Faktencheck Gesundheit zeigt, dass in bestimmten Regionen viele Geburtshelfer so verfahren. Fast ein Viertel aller Kaiserschnitte in Deutschland sind „Zweit-Kaiserschnitte“.

Die Annahme, dass nach einem Kaiserschnitt eine vaginale Geburt zu gefährlich sei, gilt als überholt. Dies liegt vor allem an der verbesserten Operationstechnik. Heute wird die Gebärmutter bei einem Kaiserschnitt durch einen horizontalen Schnitt eröffnet und nicht mehr durch einen vertikalen. Dadurch ist das Risiko eines Gebärmutterrisses nicht nur während einer Folgeschwangerschaft vermindert, sondern auch während den Belastungen einer natürlichen Geburt. Und dennoch ist der vorherige Kaiserschnitt die häufigste Situation, die zu einem erneuten Kaiserschnitt führt.

Was kann ich tun?

Wenn Sie nach einem früheren Kaiserschnitt eine natürliche Geburt wünschen, spricht grundsätzlich nichts dagegen, wenn:

  • während der Schwangerschaft keine Komplikationen aufgetreten sind und
  • keine anderen Hinderungsgründe wie z. B. Narbenschmerzen bestehen
  • Besprechen Sie mit Ihrer Hebamme und Ihrer Ärztin bzw. Arzt Ihren Geburtswunsch und fragen in der Geburtsklinik, wie dort verfahren wird. Fragen Sie z. B. konkret nach der Häufigkeit eines Gebärmutterrisses, denn das Wissen um die Häufigkeit von Komplikationen kann das Abwägen, welcher Geburtsweg gewählt wird erleichtern.
  • Liegt allerdings eine Indikation wie Beckenendlage, großes Kind, Zwillinge usw. vor, wird in der Regel zu einem erneuten Kaiserschnitt geraten. Wird ein zweiter Kaiserschnitt (Re-Sectio) durchgeführt, besteht die Möglichkeit, die alte Narbe auszuschneiden, sodass später nur eine Narbe zurückbleibt.
Kliniksituation

Kliniksituation

Die Geburtenrate in Deutschland sinkt seit Jahren – und in der Folge auch die Anzahl und die personelle Ausstattung der Geburtskliniken und -abteilungen. Dadurch sowie durch die zunehmende Anzahl an Kaiserschnittgeburten nehmen die Kenntnisse und Erfahrungen mit „schwierigen“ natürlichen Geburten ab.

In kleinen Häusern oder bei dünner Personaldecke, etwa nachts oder am Wochenende, kann es vorkommen, dass die diensthabenden Geburtshelfer sich aus Vorsichtsgründen gegen eine vaginale Geburt entscheiden und einen Kaiserschnitt empfehlen. Auch Haftungsgründe spielen eine Rolle.

Was kann ich tun?

Wenn bei Ihnen ein Risiko vorliegt (z. B. Zwillinge, Beckenendlage, großes und schweres Kind), Sie aber dennoch eine natürliche Geburt wünschen, sollten Sie den Geburtsort gut auswählen und frühzeitig Erkundigungen einholen.

Fragen Sie insbesondere:
  • wie die personelle Situation in der Geburtsklinik oder -abteilung aussieht, insbesondere zu Randzeiten
  • wie dort mit besonderen Situationen und Risiken umgegangen wird
  • ob und welche Versorgungsstufe der Früh- und Neugeborenenbetreuung besteht
  • ob der Wunsch nach einer natürlichen Geburt weitestmöglich respektiert wird
  • wie die Betreuung durch Hebammen geregelt ist. Der Faktencheck Gesundheit zeigt, dass bei einer 1:1-Betreuung durch eine Hebamme die Kaiserschnittrate etwas geringer ist.
  • Wenn Sie sich bei der Geburt von einer Hebamme Ihrer Wahl betreuen lassen, erkundigen Sie sich, wie viel Erfahrung sie mit schwierigen Geburtssituationen hat. Eine erfahrene Hebamme kann auch unter erschwerten Umständen einem Kind oft auf natürlichem Weg auf die Welt helfen.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Hebamme und Ihrer Ärztin bzw. Arzt offen über Ihre Wünsche und mögliche Befürchtungen und Ängste im Zusammenhang mit einer natürlichen Geburt oder einer Kaiserschnittgeburt.
  • Besprechen Sie mit der Personen, die Sie bei der Geburt Ihres Kindes begleitet, vorher in Ruhe Ihre Vorstellungen. Ihre Begleiterin oder Ihr Begleiter kann Ihre Position dann aktiv gegenüber dem Geburtsleitungsteam unterstützen.

Auffällige Herztöne des Kindes

Auffällige Herztöne des Kindes

Die Herztöne des Kindes werden während der Geburt mit einem CTG (Cardiotokograf, Herzton-Wehenschreiber) aufgezeichnet. Werden dabei Abweichungen vom normalen Herzton-Muster hörbar/sichtbar, kann das auf eine Stress-Situation oder auf eine Gefährdung des Kindes hinweisen. Auffällige kindliche Herztöne sind mit 21Prozent die am zweithäufigsten dokumentierte Situation in Deutschland, die zu einem Kaiserschnitt führt. Allerdings geht die Einstufung des kindlichen Herztonverlaufs als „schlecht“ nicht immer auch mit einer echten Stress-Situation des Kindes einher. Kinder kommen oft, auch wenn ihre Herztöne zuvor als „schlecht“ bewertet wurden, mit Bestnoten (den sogenannten Apgar-Werten) auf die Welt.

Was kann ich tun?

Was unternommen werden muss, wenn sich die kindlichen Herztöne unter der Geburt verschlechtern, hängt unter anderem von der Geburtsdauer und dem Geburtsfortschritt ab. In den letzten Minuten kann ein Kind Stress gut tolerieren, über mehrere Stunden jedoch nicht. In der Endphase der Geburt muss bei auffälligen Herztönen die Geburt rasch vorangetrieben werden. Ein Kaiserschnitt ist aber meist nicht sofort erforderlich. In früheren Phasen der Geburt gibt es auch die Möglichkeit durch Lagewechsel oder durch Gabe von wehenhemmenden Medikamenten, dem Kind eine Erholung zu ermöglichen. Hebamme und Ärztin bzw. Arzt können die natürliche Geburt zum Beispiel mithilfe einer Saugglocke oder Geburtszange unterstützen.

  • Fragen Sie, bevor Sie sich für einen Geburtsort entscheiden, wie in solchen Situationen verfahren wird. 
  • Erkundigen Sie sich, wenn ein Kaiserschnitt angesprochen wird, ob es andere Alternativen gibt.

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Geburtsstillstand

Geburtsstillstand

Eine länger andauernde Geburt muss nicht problematisch für Mutter und Kind sein. Allerdings kann es durch Erschöpfung der Mutter oder durch ein Abnehmen der Wehentätigkeit zum Geburtsstillstand kommen. Verzögerte Geburt, Erschöpfung und Geburtsstillstand stehen zusammen mit rund 16 Prozent an dritter Stelle aller Kaiserschnitt-Indikationen. Einschränkend muss aber  gesagt werden, dass kein einheitliches Verständnis darüber besteht, ab  wann von einem Geburtsstillstand gesprochen werden kann.

Was kann ich tun?

Wenn Sie trotz einer langen und anstrengenden Geburt oder trotz nachlassender Wehen weiter entschlossen sind, Ihr Kind auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen, so signalisieren Sie dies Ihrer Hebamme und der Ärztin bzw. dem Arzt. Wichtig ist auch, dass Sie sich bereits bei der Wahl des Geburtsortes erkundigen, wann man sich in solchen Fällen zum Kaiserschnitt entschließt. Erfahrene Hebammen, Ärztinnen bzw. Ärzte haben viele Mittel, eine natürliche Geburt zu unterstützen, zum Beispiel:

  • Veränderung der Geburtsposition sowie Entspannungshilfen,
  • Wehenhemmer bei sehr heftigen und schmerzhaften Wehen,
  • Schmerzlinderung (z.B. Periduralanästhesie, Abk. PDA, Einspritzen eines Schmerzmittels in den unteren Rücken),
  • Wehentropf zur Verstärkung von schwachen Wehen,
  • Saugglocke,
  • Geburtszange.

Gerät das Kind unter der Geburt in Gefahr, werden Hebamme und Ärztin bzw. Arzt reagieren und Ihnen einen Kaiserschnitt empfehlen.

Welche Situationen können zu einem Kaiserschnitt führen?

Fast jede Frau wünscht sich eine natürliche und unkomplizierte Geburt. Doch manchmal kommt es anders als geplant. Daher ist es wichtig, sich über Fakten zu informieren – das baut Unsicherheiten ab. Die Grafik zeigt Ihnen die häufigsten Situationen, die zu einem Kaiserschnitt führen können.
Kaiserschnitt notwendigNatürliche Geburt möglich
Die in linken Feldern genannten Situationen bedeuten eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit von Baby oder Mutter und machen einen Kaiserschnitt meist zwingend notwendig.Die meisten Kaiserschnitte sind durch eine relative Indikationen begründet, hier rechts. Eine natürliche Geburt ist durchführbar, aber mit einem erhöhten Komplikationsrisiko verbunden.
Manche dieser Situationen sind absehbar, andere treten unerwartet während der Geburt auf. Die werdende Mutter, Hebammen und Ärztinnen bzw. Ärzte müssen gemeinsam die Vor- und Nachteile zwischen natürlicher Geburt und Kaiserschnitt abwägen.  Klicken Sie auf die Felder, um mehr zu erfahren.